I. Anderer Dienst im Ausland (ADiA) / Freiwilligendienst  im Regenwaldprojekt in Peru 

Mögliche Einsatzfelder:

Bewerbungen/Informationen:

Ab Herbst 2009 ist für unser Regenwaldprojekt über  den Freiwilligendienst „weltwärts“  www.weltwaerts.de eine finanzielle Förderung durch das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung  beantragt.  
Entsendeorganisation für den Freiwilligendienst und ADiA (Einsätze für jeweils 1 Jahr) ist dann nicht mehr unsere Arbeitsgemeinschaft sondern das „Welthaus Bielefeld e.V.“
Bewerbungen dafür sind daher nicht mehr an uns, sondern an das „Welthaus Bielefeld“ zu richten. Nähere Informationen zum Bewerbungsverfahren sind unter www.Welthaus.de zu finden. In der Bewerbung beim „Welthaus Bielefeld e.V.“ sollte das  Interesse an einem Einsatz in unserem Regenwaldprojekt deutlich zum Ausdruck kommen. 
Wir werden als Organisation auch am Auswahlverfahren teilnehmen. 
Für einen Einsatz im Regenwaldprojekt ist es vorteilhaft aber nicht Bedingung, wenn  praktische Erfahrungen im Bereich Land- oder Gartenbau und Umweltschutz vorhanden sind. Wir stehen selbstverständlich auch  für konkrete Informationen und Nachfragen zum Regenwaldprojekt zur Verfügung.

II. Praktika für FachstudentInnen und  kürzere Einsätze

    Bewerbungen sind nach wie vor an die   Arbeitsgemeinschaft  Ökologischer Landbau  zu richten  (siehe „Kontakte“)



Bericht  der Zivis und PraktikantInnen aus dem Ecocentro   Oktober 08

Gliederung des Ecocentro II
Dem Plan der von der AAE praktizierten Agroforstwirtschaft folgend, haben wir das sieben Hektar umfassende Gelände des Ecocentro II in folgende drei Bereiche unterteilt: 

1. Sekundärwald 
Hier wird seit drei Jahren die Natur wieder sich selbst überlassen. Zusammen mit einigen alten Bäumen, wie etwa Lupuna, hat sich hier innerhalb der wenigen Jahre wieder dichter Wald gebildet. 

2. Agroforstwirtschaftsfelder 
In diesem Bereich wurden 2006/2007 sowie 2007/2008 zwei Felder mit Obst-, Holz- und anderen Nutzbäumen angelegt. In den Zwischenräumen wächst zur Versorgung der Pflanzen, sowie zum Schutz gegen Unkraut die Legominose "Kudzu". Um die Zeit, die die Bäume zum Wachsen benötigen, zu überbrücken wurden zwischen denselben Bananen gepflanzt. Der ältere Jahrgang dieser ist schon gut herangewachsen und versorgt uns mit mehr Bananen als wir frisch essen können. 

3. Felder für kurzlebige Kulturpflanzen  
Dieser Abschnitt ist für etwa einjährige oder noch kurzlebigere Pflanzen vorgesehen. Eine der Pflanzungen umfasst Mais und Reis, eine andere, grössere Yuca, Uncucha, Camote, Ananas, Zuckerrohr sowie Ingwer und Gelbwurz, in Betracht gezogen werden auch Salatgurken und Wassermelonen.   

Seit einigen Wochen unterhält die AAE drei neue Praktikanten, junge Peruaner, Studenten des Tourismus. Diese werden, einmal gelernt, Was und vor allem Wie im Ecocentro gearbeitet wird Schülergruppen organisieren und diesen das Gelände und die Arbeit Ecocentro näher bringen und erklären.

Schon geschehen ist folgendes: 
Durch das Waldgebiet wurde ein Weg gelegt, der alles von Interesse miteinander verbindet. Medizinisch nutzbare Pflanzen, Holz- und Ziergewächse wurden mit Schildern versehen. So führt dieser Weg beispielsweise an Lupuna, Zeder und Helikonia vorbei und endet auf der Chakra von Don Pedro. Auch in Agroforstbereich wurden die Pflanzen mit Schildern versehen. 

Die, sich in der Organisation befindlichen, Führungen werden neben dem Rundgang durch den Wald und der Besichtigung der Felder auch noch eine Präsentation im Auditorio des Ecocentro beinhalten und vorraussichtlich etwa 3 bis 4 Stunden andauern.  

     

Der Abschnitt Nummer drei, für kurzlebige Kulturpflanzen, ist haupsächlich dieses Jahr erarbeitet worden und wird es immer noch. Er ist untergliedert in drei Teile. Deren erster sieht eine grosse Pflanzung von Hauptsächlich Yuca, Uncucha und Camote, auch aber Ananas, Zuckerrohr, Ingwer und Gelbwurz, sowie Sari Sari, einem Gras, das als Futter für die Cuys (Meerschweinchen) benutzt wird. Der zweite Teil beschränkt sich auf Reis, bietet möglicherweise aber zusätzlichen Platz für Gurken und Melonen. In größeren Abständen sind diese Beiden Bereiche mit Reihen von Mais durchzogen, der sowohl als optische Markierung verwendet wird, als auch als in einer "Opferfunktion" einen schützende Rolle spielt. Bis auf Ananas, Zuckerrohr und Ingwer sind die Samen schon beschafft, teilweise sogar schon gepflanzt. Beide Felder sind dieses Jahr mit der Machete behandelt, sowie verbrannt worden.

Das verbrennen der Felder ist im Sinne der von der AAE verfolgten Landwirtschaft, kein wünschenswerter dauerhafter Prozess, sehr wohl aber eine kaum verzichtbare Initialzündung, sozusagen eine "Geburt eines Feldes". Verbrannt wird mit äußerster Vorsicht. Es werden Feuerbarrieren errichtet, ausreichend Helfer positioniert, Wasser bereitgestellt und systematisch von den Rändern zur Mitte angezündet. Einmaliges Verbrennen hat sich als nützlich herausgestellt, jährliches Verbrennen dagegen als schädlich. Deshalb gibt es im Bereich der kurzlebigen Kulturpflanzen ein weiteres Stück land, bis jetzt noch unbenutzt. Auch dieses Feld wird im nächsten Jahr benutzt werden, ein anderes wird dafür aber "leer" bleiben. So ist geplant, das die Bewirtschaftung jährlich rotiert, ein Feld birgt erst Yuca, Uncucha, Camote & Co, dann Reis und Mais und steht dann "leer", bevor der Kreis von neuem Beginnt. Auch "leer stehen" heißt in diesem Fall nicht völlige Verwilderung, sondern die Bepflanzung mit der Legominosen "Mukuna", die das Unkraut klein hält, Dem Boden die in den Vorjahren eingebüßten, für die Pflanzen lebenswichtigen Nitrate zurückgibt und zuletzt, wenn auch nicht sehr populär, so dennoch essbar ist. Dieses Rotationssystem gewährleistet gute Ernten durch guten Haushalt mit den Nährstoffen des Bodens und garantiert, woran uns soviel liegt: Kein weiteres Feuer mehr.

Vor einiger Zeit hat die AAE einen Vertrag mit der Stadtverwaltung Puerto Maldonados geschlossen. Dieser Vertrag beinhaltet Projekte zur Verschönerung der Stadt mit Zierpflanzen, sowie die Installation von Mülleimern. Zu diesem Zwecke konstruierten Angestellte der Stadtverwaltung eine kleine Baumschule auf dem Gelände des Ecocentro I. Dort werden nun die Ziergewächse in Keimbeeten und Pflanztüten grossgezogen. Seit neuestem gibt es auch ein Beet, in dem Gras gesäht werden soll, das dann später ebenfalls im öffentlichen Raum gepflanzt wird.

       

Natürlich beanspruchen solche Unternehmungen nicht nur viel Arbeit, sondern auch viel Wasser. Nachdem dieses eine Weile lang, unter geteilten Kosten, von einem Tanklaster gebracht wurde, ist nun eine Pumpe voll einsatzfähig. Ein Ersatzteil aus Lima musste herangeschafft, Leitungen gelegt und ein Tank gebaut werden, aber nun ist es soweit: Das Ecocentro hat sein eigenes Wasser. 

Dieses Wasser kommt direkt aus dem relativ nahen Fluss und fließt dann erst einmal in das neugebaute Becken. Dort wird es für einige Zeit gelassen, damit sich Sedimente und andere Verunreinigungen absetzen können, bevor es bereit ist weitergepumpt zu werden.

Das Flusswasser ist so schon fertig um als Duschwasser zu dienen. Aufgrund des Fehlens von Chlor ist es sogar besser als teuer gekauftes geeignet um Pflanzen damit zu gießen.

In Planung ist eine weitere Reinigung des Wassers zum Benutz als Trinkwasser. Hierfür steht die aus Nordindien stammende Moringa oleifera, oder auch Bennnuss in betracht, deren Samen eine Wasser reinigende Wirkung besitzen. Die Pflanze wächst schnell, und wird in Malawi schon jetzt im großen Stil eingesetzt. Zwei Gramm gemahlener Samen reichen um 20 Liter Wasser zu reinigen, es trinkbar zu machen.

 Wie bereits erwähnt gibt es mehr Bananen als uns zu essen möglich ist. Nun haben wir aber mit dem richtigen Know-How und Equipment aus der Not eine Tugend gemacht und trocknen die überreifen, süssen Früchte, die anderswo (etwa auf dem Markt) als "schon verdorben" entsorgt werden. Die Bananen werden schlicht geschält, in Streifen geschnitten und im Solartrockner der glühenden Sonne Perus ausgesetzt.

Nach ein paar Tagen wird das Resultat, ein geschmacklicher Hochgenuss, vom Nährwert gar nicht zu sprechen, in Dosen verpackt und steht bereit für den Verkauf.

Ein weiteres Produkt unserer Felder sind die zahlreichen Bohnen, die zurzeit ihre Reifezeit haben. Zu nennen wären die (großen roten) Ballares, die (an Büschen wachsenden) Frijol de palo sowie der Kudzu, der, da von großem Nutzen für die Landwirtschaft, mit seinem Samen auch einen stolzen Preis erzielt.

   

ANIA, eine NGO, die Kindern die Konservierung des Waldes näherbringt, kontaktierte uns Anfang August. Sie ersuchten unsere Hilfe beim Anlegen eines Gemüsegartens mit heimischen Pflanzen. Wir nahmen die gutbezahlte Gelegenheitsarbeit gerne an und machten uns für drei Tage auf zum Gelände von ANIA. Dort krempelten wir das ganze Gelände einmal ordentlich um und legten dann die gewünschten Beete an. Beete in Stern und Mondform, denn das ganze ist ja für Kinder gedacht. Teils im Keimbeet, teils als Direktpflanzung bestückten wir die Beete mit Tomaten, Salat, Zwiebeln, Spinat, Frühlingszwiebeln, Ingwer, Gelbwurz, Uncucha und Kräutern wie Minze, Petersilie, Basilikum und Koriander 

   

Darüber hinaus wurden im ersten Stock, über dem Auditorio das frei stehende sporadisch durch Gäste benutzte Bett entfernt. An seine Stelle traten zwei kleine Zimmer, jeweils mit eigenem Bett, Moskitonetz, Regal und soliden Wänden aus Bambus. Nun konnte nicht nur das ehemalige "Praktikantenzimmerchen" in ein "Arbeitszimmerchen" mit Computer und Bücher- und Aktenregal umgestaltet werden, es kann auch eventuellen Gästen (wie etwa Exzivi Luca, Mitte vergangenen Monats) in angemessener Weise Quartier geboten werden. 

 

Es grüssen herzlich: 
Luis, Hernán, Max und auch die schon abgereisten Praktikantinnen Katia und Sabine